In meiner Vorstellung gibt es Winter-und es gibt Sommerstädte. Athen ist für mich eine Sommerstadt. Das Licht bringt das beige-graue Betonmeer zum Leuchten. Venedig ist eine Winterstadt. Blaugraues Schwanken der kleinen Boote, ab und an das Hallen von Schritten in engen Gassen. Alles ist feucht und kühl, nicht kalt. Wenn ich dort friere, kommt die Kälte von Innen. In Triest war ich vor dieser Reise noch nie. Aber ich wollte lange schon dort hin, am liebsten im Winter. Es gibt Spuren von Texten, die hängen geblieben sind. Die norditalienischen Städte am Meer sind Winterstädte für mich. Nebel und feiner Nieselregen verwischen die Kontraste. Zeichnen sie weich. Italo Svevo lebte hier und schrieb seinen Roman Zeno Cosini. In meiner Vorstellung geht er an der Seite von James Joyce spazieren. Vielleicht entlang des Canale Grande, den es auch hier gibt, allerdings in einer amputierten Version. Ich sehe die beiden in ihren abgetragenen Anzügen von hinten den Kanal entlang schlendern. Svevo hält einen schwarz gelackten Spazierstock in der rechten Hand. Beide tragen Lederhandschuhe. Joyce lebte eine Zeit lang hier und schrieb an seinem Ulysses. Vielleicht gibt es Spuren von Triest im Dublin seines Helden Leopold Bloom. Nicht nur große Literatur ist eine fortlaufende Überschreibung der Wahrnehmungen und des Denkens mit bereits Erlebtem und Gesehenen. Oder Gelesenem. Ich laufe durch Triest und denke an Autoren, die einst hier lebten. So wird die Stadt mehr zu einer Kulisse als zu einem realen Ort. Das Fotografieren holt mich immer wieder da raus, bringt mich zurück ins Leben. In die gegenwärtige Stadt. Jetzt, da ich die Aufnahmen gesichtet und editiert habe, und einen Text dazu formuliert, der mindestens so sehr das Ergebnis meiner aktuellen Stimmung wie meiner Erinnerungen an die Reise ist, wird es bald schon so sein, dass dieser Text, diese Auswahl an Fotos meine Erinnerungen überschreiben werden.
Pigeon English under the gallery









In my mind, there are winter cities and there are summer cities. Athens is a summer city for me. The light makes the beige-gray sea of concrete glow. Venice is a winter city. The blue-gray rocking of the small boats, the occasional echo of footsteps in narrow alleyways. Everything is damp and cool, not cold. If I feel cold there, it’s from within. I’d never been to Trieste before this trip. But I’d wanted to go for a long time, preferably in winter. There are traces of texts that have stayed with me. The northern Italian coastal cities are winter cities for me. Fog and a fine drizzle blur the contrasts, softening them. Italo Svevo lived here and wrote his novel Zeno Cosini. In my mind’s eye, he’s strolling alongside James Joyce. Perhaps along the Grand Canal, which also exists here, albeit in a shortened version. I see the two of them, in their worn suits, strolling along the canal from behind. Svevo holds a black lacquered walking stick in his right hand. Both are wearing leather gloves. Joyce lived here for a time and worked on his Ulysses. Perhaps there are traces of Trieste in his hero Leopold Bloom’s Dublin. Not only great literature is a continuous overwriting of perceptions and thoughts with what has already been experienced and seen. Or read. I walk through Trieste and think of authors who once lived here. In this way, the city becomes more of a backdrop than a real place. Photography always pulls me out of this, brings me back to life. Now that I’ve reviewed and edited the photos, and written a text that reflects my current mood as much as my memories of the trip, it will soon be the case that this text, this selection of photos, will overwrite my memories.